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Die Geschichte der Cosmosynthesizer
Gegründet wurde Casio Comuputer Ltd. durch Tadao Kashio dem gleichzeitigen Namenstifter und Präsidenten von Casio Japan. Casio begann erst sehr spät mit der Produktion von Musikinstrumenten – ab ca. 1950 stellte es primär Taschenrechner und ab Mitte der 70er u.a. digitale „Multifunktions-Uhren“ her und verschaffte sich schnell ein solides Standbein in Europa.

1980 etablierte sich Casio auch auf dem Musikinstrumentenmarkt mit Einführung eines neuen Keyboards, dem Casiotone 201 – gut, aber günstig schien die Devise zu lauten – „high tech for low price“. Das Konzept ging auf, die nachfolgende Modelle wurden äußerst erfolgreich vermarktet und schnell prägte Casio dem neuen Keyboardmarkt in den USA und Europa.

Die Firma aber strebte nach weit höherem: Den Profi-Konsumer. Der DX-7 von YAMAHA sorgte 1983 mit seiner FM-Synthese für Furore, dem wollte und konnte Casio nicht nachsehen. Im Februar 1984 stellte Casio auf der ARS Electronica einen tragbaren Synthesizer mit der Produktbezeichnung CZ-101 vor, der ab November '84 verkauft wurde. Mit seiner 4-Oktaven Mini-Tasten entsprach der CZ-101 eher dem vertrautem Taschenrechner-Image, aber der 101 war alles andere als ein Spielzeug (der legendäre VL-1 Tone allerdings war primär ein Taschenrechner der auch Musik machen konnte). Man denke spontan an Trios "Da-da-da"). Ein vollwertiger Synthesizer mit 2 DCOs, 8stimmiger polyphonie im Polymode bei Verwendung von nur 1 DCO (4 mono-Stimmen im Multimode), 16 Preset- und Usersounds sowie einem Pitchbendrad. Für Solo und Leadstimmen eignet sich der Kleine vorzüglich, jedoch scheitert er im Multimode, Akkorde lassen sich nur über Umwege realisieren.

Nach zweijähriger Entwicklungszeit mit stellte Casio dann das Computer-Musiksystem Cosmo ZZ-1 auf der Musikmesse in Frankfurt vor. Das Projekt wurde primär mit Isao Tomita und Uhiru Takahashi vom Yellow Magic Orchestra mitentwickelt: Ein Musiksystem, daß auf der hauseigenen PD-(Phase Distortion) Synthese (die auch in den CZ-Synthesizern zum Einsatz kam) und Sampling basierte: 12-bit/ linear PCM-Sampling mit 40khz Samplingrate, ingesamt 3 Sekunden Samplingzeit, eine programmierbare Effekteinheit (Delay, Reverb & Chorus), PC-Interface für Sampleediting- und transfer sowie ein 3,5" Diskettenlaufwerk. Es bestand aus einem FP-6000 Computer, einer MIDI-Schnittstelle und der eben mit COSMO bezeichneten Tonerzeugung, das neben der PD-Synthese hinaus auch (wenn auch nur rudimentär) Sampling erlaubte. Tomita nutzte das System noch bis in die 90er Jahre auf diversen Alben, zum ersten Mal verwendete er es auf dem Album ‘Dawn Chorus‘.
Ursprünglich als Pendant zum Fairlight CMI gedacht, konnte es den fortgeschritteneren Systemen von Fairlight, New England Digitals Synclavier und EMUs Emulator II nicht ausreichend Paroli bieten; der User stand dem neuen ZZ-1 einfach zu skeptisch gegenüber. Der angedachte Preis für den ZZ-1 hätte zwischen 2.000 – 3.200 EUR gelegen, weit unter den Preisen der Konkurenz: Der Emu II schlug in der Basisversion mit 8.000 US$ zu buche und für das Synclavier oder den Fairlight CMI hätte man durchaus ein Auto oder Einfamilienhaus kaufen können.
Eine Anzeige, die den neuen SK-1/ ZZ-1 annoncierte (witzigerweise wurde der SK-1 später als "mini" zum Verkaufsschlager und heutigen Kultobjekt) wurde geschaltet, dieses war aber eher als Testballon zu sehen. Casio entschloß sich, daß COSMO-System nicht mehr weiter zu entwickeln und das Projekt wurde erstmal verworfen bzw. gesplittet: Die PCM-Synthese wurde fortan in allen Keyboards verwendet, die Samplingfunktionen wurden in den späteren FZ-1 und FZ-10/ 20M verwirklicht und kam dem Ur-ZZ ziemlich nahe.